Montag, Dezember 22, 2008
Dienstag, Dezember 09, 2008
Shalom und Masseltoff
...und mit Seva "frische Luft" geschnappt
Schlecht gelaunt war er dennoch nicht. Klezmer-Musik sorgt einfach für gute Stimmung, wärmt das Herz und vertreibt die Sorgen.
Liebevoll, schmunzelnd und sichtlich stolz ruhten seine Blicke auf der Tochter und dem Neffen, die mit ihren Instrumenten tanzend und singend über die Bühne wirbelten. Für jedes Familienmitglied ist Klezmer mehr als Musik. Es freudige und philosophische Lebenseinstellung, die nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Alltag gelebt wird.
Seba Zoubarew gab zu Beginn des Konzerts eine kleine Einführung: Der Begriff „Klezmer“ stammt aus aus dem Alt-Hebräischen, steht für die Worte „Kle“ und „Zemer“ und bedeutet so viel wie „das Instrument, das Melodien spielt“. Damit ist der Musiker selbst gemeint, der sich durch die Musik unmittelbar, unverfälscht ausdrücken kann.
„Es ist Ausdruck einer fröhlichen Art, an Gott zu glauben und ihm zu dienen“, erläuterte Zoubarew. „Stellen Sie sich eine Kirche vor, in der die Menschen singen und tanzen und sich ihre Sorgen und Freuden erzählen.“ Abwechselnd mit seiner Cousine, Katja Lachmann (Gitarre, Percussion und Gesang), führte der Zoubarew, der singend und springend der Klarinette den typischen Klezmer-Sound entlockte, moderierend durchs Programm.Neben den Liedern, die vom Liebeslied und über das gesungene Gebet bis hin zum vertonten Trinkgelage nach dem Gottesdienst und der Hausfrauenverzweiflung über verbrannte „Hollentaschen“ (jüdisches Festtagsgebäck) reichen, geben viele erzählte Witze und Anekdoten einen umfassenden Eindruck von jüdischer Lebensart und jüdischem Humor. „Innerlich habe ich mitgetanzt“, erzählt Daniel Lachmann, der ebenfalls hin wieder moderiert, nach einer besonders artistischen Tanzeinlage seines Neffen. Schwungvolle Begleitung am Klavier leistete Michael Manewitsch.
Nein, wir haben niemanden geschädigt! Wir waren ganz allein und unterhielten uns über die allgemeinen und besonderen Praktiken der Polizei im Umgang mit Demonstranten und sonstigen Verdächtigen.
Montag, Dezember 08, 2008
Sonntag, Dezember 07, 2008
Bauer Heinrich - Superstar
Was war das denn!? Unglaublich, was sich auf dem Weihnachtsmarkt der kleinen Stadt im Weserbergland abspielt. Jubelnde Menschenmassen so weit das Auge reicht.
Singend begrüßen sie den Mann mit Hut und Lodenmantel, der vor drei Tagen 42 Jahre alt wurde mit „Happy birthday to you.“
Die Menschen bejubeln einen der Ihren, einen Mann aus dem Volk – ungebildet, aber lebensklug, nicht schön, aber einfach niedlich und sympathisch.
Ein Verlierer, der Gewinner ist: unverfälscht, normal, mit beiden Beinen jetzt auf der Bühne, aber fest auf dem Boden der Tatsachen stehend, etwas ungelenk und ungeübt im Umgang mit Worten, aber einer, der anpacken kann. Bescheiden, wunderbar normal und das Herz auf dem rechten Fleck.
Und singen kann er auch: Das Schäferlied, „O, o, so und so, bei uns Schäfern ist das so“. Alle kennen es, alle singen es mit. Auf CD ist das mit rauer und manchmal schräg kieksender Stimme vorgetragene Lied herausgebracht worden, das in Windeseile zum Chart-Stürmer wurde.
Die Begeisterung für Bauer Heinrich ist auch Ausdruck der Sehnsucht der Menschen nach Zufriedenheit und Normalität, die Antwort auf den aktuell herrschenden Zeitgeist: Auf herumeiernde Politiker, die die Bodenhaftung verloren haben, auf arrogante Banker, die im Größenwahn das Geld ihrer Anleger verzocken, gierige Wirtschaftsbosse und Manager, die ihre Unternehmen vor die Wand fahren und Hilfe aus Steuergeldern erwarten.
„Iss ja der Wahnsinn hier“, murmelt Bauer Heinrich beeindruckt. Lange bleiben kann er eigentlich nicht. Noch zwei Termine hat er an diesem Abend, einen davon sogar im fernen Cuxhaven. „Ich bliebe ja so gern unter euch“, sagt er bedauernd, „aber es geht nicht.“ Trotzdem bleibt er lange, nimmt sich viel Zeit, um die massenhaften Autogrammwünsche zu erfüllen.
Lange wird sich Superstar Bauer Heinrich auf diesem Niveau nicht halten. Sein Stern wird genauso schnell verglühen, wie er entflammt ist. Und das ist auch gut so. Schließlich brauchen ihn seine Schafe und seine Mutter Johanna, und die richtige Frau finden und heiraten will er ja auch. Keine Frage: Ganz Deutschland wünscht ihm dazu alles Glück der Welt.
Sonntag, November 16, 2008
Klaus Hoffmann
Seine Fans lieben Klaus Hoffmann – weil er anders ist als alle anderen. Weil ein Abend mit ihm ein Hochgenuss ist. Weil er mehr bietet als alle anderen. Weil er erzählt, weil er singt und weil er tanzt, weil er zum Weinen und zum Lachen bringt, weil er träumt und weil er höchste Qualität liefert. Und weil er sich da oben den „Arsch aufreißt“.
Das sagt er selbst und verbittet sich, dabei zu gähnen oder gar pinkeln zu gehen. „Ich könnte Ihnen folgen“, droht er.
Er rührt und berührt – wie immer - mit seinen Liedern, mit Hoffmanns Erzählungen, die auch an diesem Abend nicht zu kurz kommen. Es geht um Sehnsüchte, Liebe und Träume, die er als Kind in kleine Säckchen steckte und vergrub. Aber er passt höllisch auf, dass die geweckten Gefühle, Emotionen und Sentimentalitäten nicht überhand nehmen und ins Kitschige abgleiten. Das würgt er mit einer klug gesetzten kalten Dusche rechtzeitig ab.
Dabei wirft er alles in die Waagschale, was er zu bieten hat. Sein Können als Schauspieler, als singender Poet in bester französischer Tradition, als unterhaltender Conferencier und Dramaturg.
Und seine Band, die er die „beste Band der Welt nennt“, macht mit. So leicht und mühelos wie Hoffmann über die Bühne stapft und tänzelt, sich biegt und wiegt und mit den Hüften rollt, spannen seine Musiker einen weiten Bogen von Swing und Jazz über Sirtaki bis hin zur einfühlsamen Begleitung der sanftesten Balladen. Zu Recht rückt Klaus Hoffmann seine Mitspieler Hawo Bleich am Flügel, den Gitarristen Michael Brandt, Peter Keiser am Bass und Stephan Genze am Schlagzeug immer wieder in den Mittelpunkt.
Klaus Hoffmann erzählt an diesem Abend von sich. Er führt sich und das Publikum in seine Kindheit in den 50er Jahren zurück. Er liest Liebesbriefe vor, die er als sieben- und neunjähriger geschrieben hat, weil er sogar „zu schüchtern war zu denken, was er fühlte“ und erzählt vom schwärzesten Tag, als er zehn Jahre alt war und sein Vater starb und er so traurig war, dass er nicht einmal weinen konnte. Er erzählt von den Träumen seines Vaters, die später seine eigenen wurden, und schockt dann mit der Offenbarung, dass sein Vater ein absoluter Verlierer war. Insgesamt hatte er drei Väter, die alle eine Führer-Phobie hatten. Er erinnert an die Anfänge seiner Schauspielerei, sinniert bei den Gedanken an Gerd Fröbe vor leerem Theatersaal in der Freien Volksbühne und dem dahin dämmerden Harald Juhnke darüber, das Stars immer leuchten müssen. Er erzählt von Bob Dylan, den er am Anfang seiner Sängerkarriere gern kopiert hätte, seiner Bewunderung für Jaques Brel, der ihn so sehr beeinflusst hat.
„Meine ersten Lieder waren für mich so unverständlich wie für Sie“, gibt er zu. „Wir haben uns dran gewöhnt.“
Alle Erzählungen sind gekonnte Hinführungen zu den Liedern, die er nicht nur singt, sondern die er lebt – mit ganzem Körpereinsatz, mit Gestik, Mimik, variantenreich eingesetzter Stimme und ganzer Seele.
Fast vierhundert Lieder hat er geschrieben. Das Publikum würde am liebsten alle hören. Hoffmann setzt auf die jüngsten seines neuesten Albums „Spirit“, lässt aber auch die geliebten alten Lieder nicht außen vor.Hoffmans Auswahl kommt an, und das Publikum darf auch Wünsche äußern: Röschen, Der alte Hunger bleibt, Träume, die in kleinen Säcken stecken, Der Boxer, Markttag, Jenseits der Angst, Jedes Kind braucht einen Engel, Für ein bisschen Zärtlichkeit, Derselbe Mond über Berlin, Treppe ruff und Treppe runter, Katharina fehlt natürlich ebenso nicht wie viele andere „Lieder für die kleine Ewigkeit“.
Als es vorbei ist, feiert ihn das Publikum mit stehenden Ovationen, pfeift, jubelt und ruft ihn zurück. Und es hat Erfolg damit. Klaus Hoffmann wusste, was ihn bei diesen Leuten erwartet. Er hat sich darauf eingestellt und viele Zugaben mitgebracht.
Noch ein paar Zitate aus Hoffmanns Erzählungen:
- Mein Herz hat viele Räume, und in einem wohnst vielleicht du
- Ich wollte immer eigene Lieder singen, und dann haben sie mir komische Namen gegeben wie „Singende Wärmflasche“
- Vielleicht war ich Gerhard Wendland
- Meine Väter hatten alle eine Führer-Phobie
- Sterne haben zu leuchten oder früh zu sterben
- Ich liebe dich. Auch deinen Po, wenn ich ihn von hinten seh.
- Gähnen Sie nicht, wenn ich mir hier den Arsch aufreiße.
- Meine ersten Lieder waren für mich so unverständlich wie für Sie.
Wir haben uns dran gewöhnt
- Meine Lieder wachsen auf der Straße
- Der Name meines neuesten Albums kam ganz banal zustande: In einer Gaststätte wollte jemand „Spirituosen“ auf eine Tafel schreiben und hatte nach dem „Spirit“ damit aufgehört. Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf.
- Mein Briefträger fängt an zu singen, wenn er mich sieht, weil er denkt, wir sind in einer Casting-Show.
- Wenn ich mich bücke, macht mein Handy Fotos. Sind wir im Krieg – oder was?
- Ich hab ein Leben lang gebraucht, um der zu werden der ich bin
- Die haben mir meine Einsamkeit geklaut – seitdem bin ich unterwegs und muss mich vor jedem verstecken
- Ich versuche, mein Untergewicht joggend auszugleichen
- Ich lebe von meiner Kindheit
- Wir sind jetzt in der Blüte unserer Arterienverkalkung
Samstag, November 15, 2008
Gustav Haggren and the Seasick Sailors
Drummer Patrick Andersson, Bassist Jon Mattson und Gitarrist Victor Widerberg vertonen Herzschmerz und Melancholie ebenso sicher wie überschäumende Lebensfreude. Gustav Haggren, mit Gesang und Stimme, immer mit vollem Körpereinsatz, biegsam, stampfend – aber nur mit einer Hand. Wer es nicht sah oder bereits wusste, hätte wohl nicht für möglich gehalten, dass der Frontmann die Gitarrensaiten dermaßen kraftvoll und gekonnt nur mit dem Armstumpf und schlichtem Hilfsmittel zum Klingen brachte.
Der Titel des neuesten Albums der Band „Brillant Hands“ spricht für den unverkrampft schrägen Umgang mit einer Behinderung, die Haggren musikalisch nicht gelten lässt. Wunderbare Akzente setzt Keyboarderin Helena Arlock wann immer sie zum Cello greift oder Haggrans Gesang mit eigener fantastischer Stimme ergänzt.
Montag, Oktober 06, 2008
Leonard Cohen in Berlin
Erster Teil
1. Dance me to the End of Love
2. The Future
3. Ain't no Cure for Love
4. Bird on the Wire
5. Everybody knows
6. In my secret Life
7. Who by Fire
8. Heart with no Companion
9. Hey, that's no Way to say goodbye
10. Anthem
Zweiter Teil
11. Tower of Song
12. Avalanche
13. Suzanne
14. The Gypsy’s Wife
15. Boogie Street
16. Hallelujah
17. Democracy
18. I'm your Man
19. Take this Waltz
Zugaben
20. So long, Marianne
21. First we take Manhattan (then we take Berlin)
22. Famous Blue Raincoat
23. If it be your Will
24. Closing Time
25. I tried to leave you
26. Whither thou goest
Linkliste zu diversen Konzertberichten in Phönix Zettelkasten
Natürlich sollte/müsste ich etwas erzählen über dieses fantastische Konzert mit dem fantastischen Leonard Cohen. Kann ich aber nicht, weil es mir schlicht und einfach die Sprache verschlagen hat. :)
Dumm war lediglich, dass ich nach der Erfahrung in Köln, wo man mich mitten aus dem Publikum raus "verhaftet und abgeführt" hatte, keinen Fotoapparat dabei hatte. Die kleine Taschenkamera war kein Ersatz und damit umgehen konnte ich auch nicht.
Sonntag, September 21, 2008
Samstag, September 06, 2008
Markus Stockhausen - Tanzendes Licht
Ich bin also frei. :) Und wenn ich gerade eine Markus-Stockhausen-Macke habe, darf ich sie gnadenlos ausleben. :)
Es geht also weiter mit einem Stockhausen-Kommentar zu seinem Stück "Tanzendes Licht" von dieser Seite.
Markus Stockhausen
Tanzendes Licht
Eine Hommage an Paul Klee
for solo trumpet, Big Band and String Orchestra„Tanzendes Licht“ ist eine Auftragskomposition der Camerata Bern und des Swiss Jazz Orchestra, die zugleich eine Hommage an Paul Klee sein sollte. Nachdem ich einen direkten Bezug zu Klees Bildern als unpassend empfand, sah ich selbst ein Bild, das ich vertonen wollte – die meisten Menschen kennen es: man steht an einem grossen Wasser, einem See, oder am Meer, die Sonne senkt sich und man sieht eine Lichtstrasse auf dem Wasser: abertausende kleine tanzende Lichtfunken. Dieses Bild hat mich oft tief berührt, es hat etwas von der ewigen Seelenwanderung, die Funken entstehen und sind blitzartig wieder verschwunden. Aber alle tanzenden Funken zusammen sind das Leben, voll impulsiver Kraft.
Dann setzte ich mich ans Klavier und fand eine einfache Figur im 9/8 Takt, aus der sich das ganze Stück entwickelte. Fast immer ist sie gegenwärtig und verbindet die verschiedenen Momente. Ganz bewusst habe ich den 9/8 Takt während der gesamten Komposition beibehalten und dadurch viele Möglichkeiten der rhythmischen Aufteilung entdeckt. Ausser der Solotrompete wollte ich möglichst viele Solisten des Jazz Orchestra vorstellen, um eine grosse Farbigkeit zu bekommen.
Die Hommage an Klee ist eine künstlerische – auch Klee hätte sich sicherlich immer auf seine ureigensten Eindrücke und Ideen besonnen. Was hätte er wohl beim Hören von "Tanzendes Licht" empfunden?
Markus Stockhausen, im Juni 2007
Freitag, September 05, 2008
Markus Stockhausen - Sonnenaufgang und Biographie
Text wie unten ausnahmsweise Reinkopiert von hier:
Markus Stockhausen
SONNENAUFGANGfor Jazztrio and Orchestra
Es war ein früher Morgen auf der kanarischen Insel La Palma. Wir waren auf dem höchsten Berg, 2400 Meter über dem Meer, und die nächtliche Sternenpracht verblasste allmählich im aufsteigenden Morgenrot. Dann blitzten die ersten Sonnenstrahlen am Horizont hervor, atemberaubend schön. Für einen Moment fühlten wir uns wie die Herren der Welt, erhaben, eins mit aller Natur.
Unter diesem Eindruck notierte ich mir kurz darauf das erste Thema vom „Sonnenaufgang“. Die Komposition entstand in den folgenden Monaten, genau zwischen Dezember 2002 und August 2003. Sie ist mein drittes Stück für Jazztrio und Orchester, ein Kompositionsauftrag des Musikkollegium Winterthur und seinem Dirigenten Jac van Steen.
„Sonnenaufgang“ – ein Weg beginnt, wie ein Tag, wie ein Leben. Der pulsierende Rhythmus drängt vorwärts, kehrt immer wieder, und auf dem Weg ereignen sich verschiedene Dinge, werden viele Farben sichtbar, Stimmungen durchlebt, manche sind nur von kurzer Dauer. Lebensfreude, Intensität, auch wehmütige Gefühle, dann später das Verlassen des Normalen, der ‚Ausstieg‘, der zu einem ganz freien Part des Trios führt, und schließlich die Wiederkehr des Sonnenthemas, aber anders, subtiler, verklärt, befreit.
Und hier geht's zu seiner Biographie
Markus Stockhausen
Der Text ist reinkopiert von dieser Internet-Seite,
um mal zu verdeutlichen, was er so macht und was ich selbst nicht erklären kann.
Fotos natürlich wie immer von mir.
Markus Stockhausen
SEHNSUCHT
for jazz trio and orchestra
Das passacagliaartige Thema dieses Stückes fiel mir regelrecht ein. Ich suchte eine berührende Melodie, etwas, was nicht schreit und lärmt. Der Titel „Sehnsucht“ beschreibt die Empfindung, die ich selber beim Hören des Themas habe.
Langsam baut sich das Stück auf, diesmal sind es die Holzbläser, die beginnen, begleitet von einfühlsamen Bass-Improvisationen. Das Solo-Flügelhorn leitet dann für kurze Zeit in ein erstes melodisches Thema über, belebt die Stimmung, spielt noch ein zweites Thema und steigert die Spannung in einer längeren Improvisation bis hin zu einer schwungvollen Unisono-Passage des ganzen Orchesters.
Den Höhepunkt bildet ein Schlagzeugsolo, das vom Orchester mit kurzen Einwürfen angeheizt wird. In umgekehrter Reihenfolge beruhigt das Solo-Flügelhorn dann mit dem verkürzten zweiten und wieder ersten Thema, und das Werk endet wie begonnen mit den sehnsuchtsvollen Passacaglia-Linien der Holzbläser, umrankt von zarten Improvisationen der Soloinstrumente.
Donnerstag, September 04, 2008
Die "Ilias" von Homer und Schrott
Am 9. September kommt Raoul Schrotts Neufassung von Homers "Ilias" in den Buchhandel. Bei einem viertägigen Lese- und Diskussionsfest, vom 28. bis 31. August, war das gesamte Werk in Schloss Corvey vorab zu hören – vorgetragen von Schauspielern.
Mit seinen Thesen zu Homer und den Schauplätzen der "Ilias", die er aufgrund seiner Recherchen während der Übersetzungsarbeit aufstellte, weckte Raoul Schrott breite Aufmerksamkeit. Es ist keine klassisch formelhafte wortwörtliche Übersetzung. Schrott interpretiert, drückt aus, was Homer "gemeint hat", holt die Ilias aus der Antike ins Heute, in neuer Lebendigkeit und Frische. Poetisch, bildhaft, aber auch flapsig-umgangssprachlich. Da wackeln dann schon mal die Bettpfosten, wenn die Hera mit dem Zeus...
Vier Tage lang, bis nachts um eins, tragen die Schauspieler die 24 "Gesänge" der Ilias vor und interpretieren ihrerseits.
Inhaltlich geht's um den Trojanischen Krieg, die Belagerung der Stadt Ilion durch das Heer der Griechen (Achaier), den Kampf zwischen Hektor und Achilleus. Los geht's mit der Schilderung
des Streits zwischen dem göttliches Achilleus und Agamemnon, „der nur so tut, als sei er der Wichtigste von allen“. Es wird aufgedeckt, dass die beiden von Zeus Sohn Apollon aufeinander gehetzt wurden und erläutert, wieso der Gott des Lichts in so dunklen Zorn verfallen ist, dass er eine Pest ausbrechen lassen hat und persönlich „ neun Tage lang mit gellendem Sirren giftige Pfeile in die Flanke des Heeres des Agamemnon hagelt."
Tja, und bis ich hier was interpretiere, bzw. etwas zu den Fotos sage, werden wohl ein paar mehr Tage ins Land gehen.
Eindrucksvoll waren außerdem die musikalischen Darbietungen. Unter die Haut ging mir vor allem das Trompetenspiel von Markus Stockhausen, Sohn des berühmt-berüchtigten Karlheinz Stockhausen. Gemeinsam mit Klarettinistin Tara Bouman, seiner Frau und musikalischen Partnerin malte Stockhausen "Intuitive Klangvisionen". Sehr inspirierend. Vielleicht werde ich gar Stockhausen-Fan. Aber ich fürchte, dass es letztlich ein Paar Nummern zu hoch ist für mich.